Bericht zur Tagung: „Das Sondergut des Matthäusevangeliums"
Die Tagung „Das Sondergut des Matthäusevangeliums – Terminologie, Themen und Texte“ fand vom 12. -13. Juni 2026 im Tagungs- und Gästehaus der Bergischen Universität Wuppertal statt. Organisiert und durchgeführt wurde die Tagung von AOR Dr. Matthias Berghorn (BUW) sowie Paula Greiner-Bär (Universität Erfurt) und Alexa Stephany (Universität Trier). Ziel der Tagung war es, gegenwärtige Ansätze zur Erforschung des matthäischen Sonderguts, zu dem die letzten Monographien in den 1990er Jahren erschienen sind, vorzustellen und zu diskutieren.
Am Freitagnachmittag stellte AOR Dr. Matthias Berghorn zunächst auf Basis seiner Arbeit der letzten Jahre einen neuen Vorschlag zur Terminologie und Bestimmung des Sonderguts vor und zeigte auf, welchen Umfang, welche Position und Funktionen Sondergut in den Perikopen des Evangeliums aufweist. Dabei wurde besonders deutlich, wie unterschiedlich das Sondergut mit seinen beiden Vorlagen – Q und Mk – interagiert.
Prof.in Dr. Hildegard Scherer (Universität Duisburg-Essen) verglich anhand von vier Clustern („zwischenmenschliche Rede“; „Vergebung“; „Konflikt“; „Verhältnis von Schein und Sein“) die Überlieferungen von Q und Sondergut miteinander. Mit Hilfe bestimmter Oberbegriffe wie „Gerechtigkeit“ zeigte sie besonders deutlich, wie stark Matthäus soziale Verhaltensweisen konkretisiert und systematisiert, während die traditio duplex häufig eher allgemeine und teilweise abstrakte Aussagen enthält.
Prof. Dr. Gerd Häfner (Ludwig-Maximilians-Universität München) untersuchte die Christologie der Erfüllungszitate und zeigte auf, wie sich alttestamentlicher Text und Jesusgeschichte gegenseitig befruchten, wobei der Kontext des Zitats keine besondere Rolle spielt.
Der zweite Tagungstag begann mit dem Vortrag von Prof. Dr. Markus Lau (Julius-Maximilians-Universität Würzburg). Er übernahm das Schema der Doppelkodierungen aus der Forschung zum lukanischen Doppelwerk und zeigte anhand der Magiergeschichte Mt 2,1–12, wie auch der erste Evangelist dieses Prinzip übernimmt und so pagane wie jüdische Leser.innen in ihrer Welt anspricht.
Mag.a theol. Stephany präsentierte anhand der Gleichnisse zu Mt 13, wie Matthäus unterschiedliche Facetten in der Komposition nutzt und sich hier typische Elemente des Sonderguts finden lassen.
Prof. Dr. Thomas Tops (BUW) nahm zum Abschluss die Textstelle zum Mt 27,25 und ihr Umfeld in den Blick und diskutierte, inwieweit die Frage nach der Verantwortung für den Tod Jesu von Matthäus überhaupt klar dem jüdischen Volk zugerechnet wird oder sich im Händewaschen des Pilatus und dem „Blutruf“ des Volkes ambiges Verhalten finden lässt.
Die Tagung wurde von den Teilnehmenden als sehr bereichernd empfunden und machte einen ersten Aufschlag, um sich thematisch, einleitungswissenschaftlich und exegetisch tiefer mit dem Sondergut des Matthäusevangeliums zu beschäftigen.
Dr. Matthias Berghorn
Prof. Dr. Hildegard Scherer